Mittwoch, 15. Juni 2022

Kleines Urlaubsinseltagebuch: 6. Teil

Die Tatsache, dass der sechste Teil meiner wirren Erholungsaufzeichnungen an Tag 11 der Reise entsteht, könnte so manchem Statistiker die Tränen in den Taschenrechner treiben.

Ich stelle heute fest, dass ich in diesen elf Tagen immerhin ein ganzes Buch gelesen habe. Ein bisschen verwundert mich schon, dass ich dafür so lange gebraucht habe, denn ich dachte, dass ich Lesen mögen würde. Wenn ich mich allerdings - wie so oft bei aller Informationsflut - mit anderen Urlaubern vergleiche, ist mein Lesepensum anscheinend eher dürftig. Das verwundert mich - ich dachte, wer gern schreibt, der liest auch gerne und ist da voll gut drin. Wie soll ich zum Beispiel jemals ein ganzes Buch schreiben, wenn ich dann mit dem Nachlesen Wochen oder Monate verbringen müsste? Das geht doch nicht.

Na jedenfalls wars auch kein dicker Schinken: 199 Seiten unterhaltsame Kost, zwei davon sind sogar irgendwie leer - künstlerische Freiheit, wie es scheint. Dieses Mal habe ich bewusst nur zwei Bücher mitgenommen, um mich nicht selbst zu enttäuschen. Der dicke Psychologie-Wälzer ist sogar im Koffer geblieben, obwohl ich mich wirklich gerne psychologisch fortbewegt hätte. Vor zwei Jahren noch hatte ich eben jenen Wälzer euphorisch zum ersten Mal mit in die Urlaubsauszeit genommen und mir zu jeder Seite Notizen gemacht. Zuhause habe ich mich dann an den Schreibtisch gesetzt, und weitere solcher Psychologiestunden abgehalten. Aber bis heute praktiziere ich nicht, weil ich seit über einem Jahr auf Seite 96 festhänge und Psychologiekenntnisse auf der Arbeit nicht so wichtig oder manchmal sogar hinderlich sind. Zumindest als Führungskraft sollte man ohne derartige Fähigkeiten auskommen, damit man in "meiner" Firma ins Portfolio passt. Aber ich schweife ab.

Mit 11 oder 12 hat mich meine Klasse mal für einen Vorlesewettbewerb vorgeschlagen. Ich denke in den letzten Tagen immer mal daran, was daraus geworden wäre, wenn ich nicht abgelehnt hätte. Vielleicht wäre ich jetzt so ein Vorlesemann mit von vielen Wettbewerben gestählter Stimme oder so ein Podcast-Onkel, der mit seinem besten Intellektuellen-Kumpel knuspernd in Mikrofone diskutiert, ob man Bratwurst auf einem Holzkohlegrill immer vertikal zur Rostgeometrie ausrichten sollte oder lieber nicht. Andererseits könnte ich auch dort weiter vom Vorlesewettbewerb erzählen. Also nochmal zurück: 

"Abgelehnt" klingt natürlich staatsmännisch und cool - damals habe ich einfach nur Angst gehabt und mich nicht getraut, obwohl ich bei klasseninternen Vorlesedings immer zusammen mit ein oder zwei Mädchen zu den Besten gehört habe. Damals hatte ich einfach nicht das Vertrauen in die Coolness von Vorlesen und nicht das Bewusstsein, dass ich etwas, was ich ggf. gut konnte, auch mal in den Vordergrund stellen könnte. Daraus hätten sich ja durchaus ganz neue Möglichkeiten ergeben. Da Lesen oder Vorlesen offenbar aber was für Mädchen war, lag der von mir gefühlte Wert meiner Begabung wohl eher im einstelligen Bereich. Bei den "coolen Jungs"  hatte ich ausserdem den Eindruck, dass die bloß jemanden finden wollten, damit sie nicht selbst stotternd oder mit der Betonung eines labberigen Käsebrots vor einer Jury aus Sparkassen- und anderen höher dortierten Menschen an einem unbekannten Vorlesetext scheitern mussten. Aber jetzt steht hier ein ganzer Absatz mit den Ausreden eines kleinen Jungen. Meinen Ausreden.   

Wenn die Angst einen daran hindert, etwas Neues auszuprobieren, das ist ziemlich blöd. 

Das gelingt mir heutzutage besser und man kann etwas dagegen tun. Wenn auch nicht jedes Mal gleich gut oder überhaupt gut. Vielleicht habe ich in elf Tagen auch nur 199 Seiten geschafft, weil ich zwischendurch damit beschäftigt war, ein paar mehr Worte als üblich mit verschiedenen Menschen auf Dänisch zu wechseln. 

Und das ist mir nun einen


Zufriedenheitsgruß!


wert.

Montag, 13. Juni 2022

Kleines Urlaubsinseltagebuch: Teil 3, 4 und 5

Die Sonne ist da.

Es muss ja nicht gleich so aussehen, als sei man unter der Sonnenbank eingeschlafen, aber ein angemessen trockenes und humanes Wetter machen Dinge wie einfach nur am Meer rumzusitzen oder um den See zu fahren dann doch wesentlich wirtlicher.

Ich habe jetzt den Salat, dass ich mir jeden Tag überlegt habe, was ich aufschreiben könnte und dann am Abend doch zu faul dazu gewesen bin. Dann habe ich mir überlegt, dass Aufschreiben unter eigenem Zwang ja auch nicht Sinn der Sache ist und will mich nun selbst mit einer Compilation der letzten Tage überraschen. Wahrscheinlich sind auf dem Weg hierhin schon wieder einige treffende Gedankentexte hops gegangen, und überhaupt bin ich dieses Jahr nicht ganz so aktiv in Dänemark unterwegs. 

Das schlechte Gewissen, nicht so viel herumzukommen, trainiere ich mir noch ab - allerdings gibt es auch noch ein paar Tage, die ich bereits in meinem Kopf mit Aktivitäten verplanen sollte, wollte oder müsste. 

Immerhin habe ich mich schon mehrfach in den Straßenverkehr begeben und auf meiner Fahrt entlang der Küste entschleunigende Momente auf der Landstraße verbracht. Es ist ganz lustig, dass man dort zwar 80 km/h fahren darf, aber nicht muss, wie mir eine vorausfahrende dänische Fahrgemeinschaft im hellblauen Opel Corsa gerne vormacht.

Wahnsinn, ich glaube, in Deutschland würde jeder nervös mit dem Gasfuß zucken und mit hektischem Kopfgewackel möglichst links am vermeintlich schleichenden Vordermann vorbeipeilen, um nach wenigen Sekunden den Überholvorgang einzuleiten. Aber das will ich nicht. Ich will kein drängelnder Tourist oder gar Deutscher sein, nur weil sich das gestikulierende Paar im offenbar leicht höheren Alter vor mir durchschnittlich zwischen 69 und 72 km/h schnurgeradeaus vorwärts bewegt.

Drängeln möchte ich aber auch nicht, es ist so ein Mix aus schlechtem Gewissen und dem Gefühl, unhöflich zu sein. Hinzu kommen die Gedanken, dass sich 69 Stundenkilometer auf deutschen Landstraßen wie eine Ewigkeit, also viel langsamer, anfühlen, als hier.

Der hellbraune Teer, oder mit was auch immer die Dänen die Fahrbahndecken so glatt und gerade in die Landschaft legen, zieht sich breit vor dem Kühlergrill auf. Demnach müsste sich alles noch viel langsamer anfühlen - habe ich mal in der Fahrschule gelernt. Breite Straße, viel geradeaus = Realitätsverlust Reisegeschwindigkeit! Als der hellblaue Opel dann doch kurz mal auf 79 beschleunigt, habe ich das nächste schlechte Gewissen. Eigentlich sollte ich Zeit haben, also lasse ich mich etwas zurückfallen und beobachte, wie sich meine vorausfahrenden Gastgeber durchaus angeregt zu unterhalten scheinen. Die sind also eher mit sich selbst beschäftigt und gar nicht mit mir. Die Dänen nutzen die Fahrt gerne für eine gesprächige kleine Reise. Das ist mir schon öfter aufgefallen. So haben sie am Ziel angekommen bereits einen großen Teil der gemeinsamen Zeit in Ruhe genutzt und können sich dem Wesentlichen zuwenden. 

Kurz muss ich schmunzeln, weil mir dieser eine Werner-Film wieder einfällt - da schiebt ein eher ausladendes KFZ ein eher fragiles KFZ bis zur Schweizer Grenze vor sich her. Am Ende ist von letzterem Fahrzeug nicht mehr ganz so viel übrig. Ich denke an die nächste Ampelkreuzung, die noch etliche Kilometer entfernt vor uns liegt und wie ich den hellblauen Opel mit den beiden älteren Dän*innen vor meinem Kühlergrill herschiebe. Es würde funken und nach verschmortem Gummi stinken, begleitet von den sich normal weiter unterhaltenden Gesten der beiden Passagiere, die noch nie so schnell unterwegs waren. Wahrscheinlich würden sie dann an der Ampel in Sondervig aussteigen, die Türen würden so rausfallen, wie man das aus Filmen kennt, der hellblaue Corsa wäre bis zur Hälfte von unten aus weggeschliffen und würde nur noch auf Augenhöhe mit meiner Motorhaube vor mir stehen. Überall wären so hellblaue abgeplatzte Lacksplitter verteilt. Aber ich glaube, die beiden würden aussteigen, nach ihren Taschen oder was auch immer greifen - seelenruhig versteht sich - und dann ein Stück Kuchen essen gehen. 

Das hat mich beeindruckt. Also dass man mit 69 Kilometern in der Stunde auf so breiten, langen Straßen unterwegs sein kann. Ich weiß nichtmal mehr, wann die beiden abgebogen sind und wohin. Aber anschließend bin ich wieder 84 gefahren, um mein Aktivitäts-Pensum (oder sogar noch mehr) in der Stadt zu schaffen und "damit die Fahrt sich auch lohnt". So habe ich es eben gelernt.

Am nächsten Tag merke ich, dass ich trotz solcher Erlebnisse noch nicht wirklich hier angekommen bin. Auch dabei kann man ein schlechtes Gewissen haben - schließlich sollte man die Zeit in seinem Lieblingsland auch gut nutzen. Dass die ersten Tage eher ungemütlich waren, ist natürlich eine gute Ausrede. Dennoch lässt mich erst die mildere Abendsonne zu einem späten Leuchtturm-Ausflug aufbrechen. Ich muss mich erst aufraffen, aber das kenne ich schon von früher. Später würde es sicher gut werden, auch wenn ich schon etwas unzufrieden bin, weil ich viel früher hätte losfahren sollen.

Leider ist der Fahrradsattel zu hart und ich habe dieses zum ersten Mal mitgenommene Rad vorher nicht getestet. Eigentlich habe ich es erst hier in den ersten Urlaubstagen zusammengebastelt und aufgehübscht und nun entsprechende Erwartungen an erhöhte Mobilität. Früher waren zumindest die Räder kleiner und eine Gangschaltung gab es auch nicht - das müsste doch jetzt erheblich besser laufen...Dass das kleine Fahrrad der vergangenen Jahre einen total breiten und bequemen Sattel besaß, hatte ich natürlich nicht einkalkuliert. Aber der Drang nach Leuchtturm und Meer und Zeit mit dem Meer schiebt mich letztendlich doch den windigen Weg an den Klippen hinauf. Und dort oben gibt es dann nach beinahe einer Woche den ersten wirklich stillen Moment, der mir bislang trotz geografischer Meeresnähe einfach gefehlt hatte.

Den Moment, in dem man nur rumsitzt und guckt. Man kann von der hohen Steilküste aus sehen, wie die Wellen rollen, das Gras um einen herum leicht im Wind flattert, der Kirchturm in der Ferne hell in der Sonne strahlt, Windräder rotieren, Pferde grasen und erstaunlich wenige bis gar keine Menschen mehr dort herumlaufen. Es ist nicht dieses ständige "beim Sitzen ertappt werden" oder von Stimmen unterbrochen werden... Es ist zum ersten Mal "Sein" und nicht Suchen oder Denkerei. Genau das, was das Meer eigentlich ausmacht und wo ich es normalerweise gerne lieber aus der Nähe erlebe, als von hier weit oben. 

Aber es ist gut. Es tut mir gut, ich spüre mich und jemand in mir hat grad alles losgelassen, was mich in den letzten Wochen, Monaten oder Jahren bewegt hat. Ich glaube, das ist der Grund, warum ich gerne hier am Meer wohnen würde - mit der Chance, jeden Tag oder Abend zu sich zu kommen und sich aufgeräumt und aufgefangen zu fühlen. Ob das dann vom Wetter abhängt? Ob man dabei immer so für sich sein kann? Ob da nicht vielleicht doch Stimmen wären - von Dänen, die es mit 69 km/h bis an die Küste geschafft hätten und nun dort endlich Dinge zuende besprechen und ihre Vollkaskoversicherung anrufen wollten? 

Ich weiß nicht.

Aber dieser kleine Traum vom täglichen Meer vor mir, der wird immer bleiben.

Zitronenkuchengruß!

Dienstag, 7. Juni 2022

Kleines Urlaubsinseltagebuch: 2. Teil

Beim Einkaufen ist mir heute aufgefallen, wie oft ich mich falsch fühle. 

In einem fremden Land blitzen die alten Unsicherheiten auf, die ich noch aus Zeiten spüre, in denen Angst und Unsicherheit diese leider notwendige Warenbeschaffung zu einer großen und manchmal nicht lösbaren Aufgabe gemacht haben. Ich freue mich, dass das Vergangenheit ist.

Dennoch entsteht, so wie nun hier in Dänemark, ein ganzer Supermarkt voller Gedanken - es fängt schon beim Parken an und ist sehr anstrengend. Eigentlich fühlt sich alles an, wie ein traniger Sonntag mit flauem Bauchgefühl, an dem man aber montagsmäßig leisten muss. Dabei war Dienstag!

Beim Parken also denke ich nach, ob ich schnell genug eingeparkt habe oder zu lange auf den Opa im grauen, verbeulten Opel Corsa gewartet habe, der mit qualmender Kupplung so gerade aus der großzügigen aber steil abgesetzten Einfahrt herausgekrochen ist.

Hinter mir warteten auch schon 2 Autos, was im Vergleich zu deutschen Verhältnissen reichlig moderat erscheint aber trotzdem unnötige Eile vermittelt. Dass der Opa dabei der Bremser war und nicht ich, blendet mein Wertungssystem in solchen Fällen offenbar aus. Gleichzeitig fragt sich eine andere Abteilung, ob ich alles finden werde, was ich haben möchte? Und ob man mir das Touristendasein ansieht, wenn ich aussteige? Natürlich könnte man es schon am Autokennzeichen erfassen, aber um rationales Denken gehts hier ja nicht.

Und weiter: In welcher Sprache werde ich mich mit der Kassiererin "unterhalten" und werde ich im Affekt wieder mal auf Deutsch antworten und mich danach schämen, weil mein teurer Babbel-Sprachkurs zwar in der App super funktioniert, aber in der Realität ganz andere Hirnareale die Kontrolle übernehmen?

Ich habe zwar extra die Sommershorts gegen eine Jeans getauscht, um bei 16°C nicht gleich als Tourist aufzufallen, aber schon bei der Befreiung des Einkaufswagens gerät der Plan ins Stocken, da der Dänische Drahtkorb den üblichen Plastikeinkaufschip nicht akzeptiert.

Dafür braucht man Münzen. Kronen. Man muss nah an die entsprechende Apparatur mit der Kette und den Schlitzen herantreten, um die gewünschten Maße ablesen zu können: 10 oder 20 Kronen sollen es sein. Die habe ich, aber ich weiß, dass ich nun länger danach suchen muss und das für andere ja schon wieder sehr auffällig ist.

Gleichzeitig stört mich jetzt schon, dass ich in so einer banalen Situation so viel über mich nachdenke, wie sonst im Alltag schon gar nicht mehr notwendig. 

Natürlich bemerkt aber niemand, wieviel Aufwand mein Kopf bis zu diesem Zeitpunkt schon betrieben hat und mein damaliger Therapeut würde entkatastrophisierend sagen: "Das geht den anderen genauso" und "Was könnte schlimmstenfalls passieren?"

Das sind übrigens schon wieder viel zu viele Gedanken, ich wollte ja nur einkaufen gehen. Anonym. In einem großen Supermarkt. 

Die Dänen kaufen sehr gelassen ein. Das betrifft sowohl Rentner, als auch Frauen mit Kindern oder gar junge Paare. Manchmal fragt man sich, ob die überhaupt zusammen sind und ob das schon das Maximum an Lebendigkeit in der Performance ist. Eigentlich schon zu gelassen und monoton schieben sich die Menschen ums Gemüse oder zwischen den Kühltruhen entlang. 

Ich müsste auch entspannt sein, bin es aber nicht. Wenn ich 5 Sekunden zu lange vor dem Käseregal oder auf der Suche nach Bratwurst herumstehe, bekomme ich Stress. Das geht mir jedes Jahr so, weil die Dänen auch einfach keine normale Bratwurst im Angebot haben. Dafür gibt es 8 verschiedene Sorten Pölser, die mir nicht schmecken. Was stimmt denn nicht mit mir?!

Dass ich mir 2 Stunden lang Pommes angucken dürfte oder 25 Mal die Tüte mit den Aufbackbrötchen wenden und drehen, bis ich alles verstanden hätte, kommt mir surreal vor. Eigentlich fragt sich doch jede(r), was ich da solange mache, wenn ich denselben Gang 2 oder sogar 3 Mal auf und ablaufe? 

Zusätzlich kommt noch der große Preisvergleich inklusive Umrechnen per App direkt vorm Produkt stehend und der versehentliche Griff zu laktosefreier Milch hinzu. Die gilt es dann unauffällig und möglichst cool zurückzustellen - spätestens an der Kasse wäre es ziemlich unglaubwürdig, dass jemand wie meine Person freiwillig laktosefrei einkauft. 

Also alles gedanklich unsicher irgendwie. Gefühlt dauert ein kleiner Einkauf locker 45 Minuten, obwohl ich mich mit den dänischen Bezeichnungen schon ganz gut auskenne.

Leider relativiert sich dieser Anflug von Textsicherheit, sobald zwei ältere Herren eine kleine Konversation neben der Kühltheke starten. Ich verstehe kein Wort und heute besteht alles aus L's. llllllllll und so weiter. Dass aus Doppel-D ein Doppel-L im Sprachgebrauch wird, hilft dann kognitiv auch nur bedingt.

Das eigentliche "Problem" liegt in mir. Es ist auch kein großes Problem, denn schließlich überlebt man das alles ja recht einfach. Es nervt allerdings, sich anders zu fühlen.

Aber ausser, dass ich der Kassierin auf ihre Frage nacht dem Bon mit "ja, bitte" antworte, ist nichts Schlimmes passiert und ich habe fast ausschließlich Dinge aus der Negativperspektive erzählt.  Das alles wird "hinterher", wenn man mit einer Dose Faxe Kondi Lakrids zum Auto marschiert und die Sonne zwischen den Wolken durchlukt ziemlich bald egal sein - bis ich beim nächsten Mal wieder hier parke.

Gedankengrüße!


Montag, 6. Juni 2022

Kleines Urlaubsinseltagebuch: 1. Teil

Man, habe ich lange nichts mehr aufgeschrieben.

Also so am Stück, mit vielen Sätzen, die aus Gedanken entstehen und damit auch teilweise den Kopf verlassen können.

Sowas tut ja bekanntlich ganz gut, aber ich habe vergessen, wie das geht und es dauert auch immer so lange. Aber nun habe ich beschlossen, es wieder zu tun.

Vorweg muss ich allerdings zugeben, dass man hier einer kleinen Mogelpackung aufsitzt, wenn man die Überschriften und Titel so betrachtet.

Wer Auszüge aus einem Leben auf einer Insel, vorzugsweise Nordsee, mit ordentlichen Wellen und einer steifen Brise hier und da, mit Leuchttürmen und rostigen Schiffen erwartet,

wer sich auf einsame Berichte aus Ostfriesland oder gefährliche Geschichten aus dem Watt freut, der muss an dieser Stelle direkt enttäuscht werden:

Ich berichte bloß von meiner Insel. Vielleicht ist das Bild schon etwas ausgelutscht, aber meine Insel besteht lediglich aus Gedanken, Träumen, Ansichten, Erlebnissen, Wünschen und all den Innereien, die sonst nicht ans Tageslicht kommen.

Gegen echtes Inselleben hätte ich natürlich auch nichts einzuwenden, bzw. nicht viel:

Wenn man da so auf seinem Eiland sitzt, es mag auch eine Hallig sein, sieht man wenigstens immer, wer gerade zu Besuch (nerven) kommt. Da ist ja sonst nix. Kann gut sein, aber auch anstrengend, wenn man sich die Anreise eines ungeliebten Gastes so lange angucken muss.

Andererseits kann man sich jederzeit ans Wasser setzen, wenn es einem beliebt. Oder das Wasser kommt bis zur Tür und dann hat man auch schon wieder den Salat.

Ein großer Grund, warum ich dann doch nicht nur auf einer "einsamen" Insel leben möchte, besteht aber darin, dass man da so schlecht Auto fahren kann. Ich mag Autos und das wird uns in meinen Geschichten wahrscheinlich immer wieder begegnen. Zumindest, wenn ich so authentisch bleiben werde, wie ich es mir vorgenommen habe.

Dass ich jetzt wirklich in Wassernähe sitze und diese Zeilen aufschreibe, das mag ich sehr.

Noch vor 30 Minuten hatte ich gar keine Lust dazu und wollte recht demotiviert meinen Plan wieder verwerfen, in diesem URLAUB meinen Gedanken mal wieder Buchstaben zu verleihen.

Im Kopf formuliert sich nämlich vieles leichter, man muss manchmal über sich selbst schmunzeln oder jauchzt innerlich aufgrund toller Ideen. Da habe ich schon ganze Hollywoodfilme melancholisch zusammengedacht!

Aber Aufschreiben finde ich gar nicht mehr so einfach, obwohl ich das immer zu meinen Stärken gezählt habe. Der geregelte Alltag inkl. "8 to 5" hat mir einiges an Gedankenfreiheit geklaut, ist aber dennoch so wichtig, um irgendwann mal ans Meer auszuwandern. Oder so.

In Vorfreude darauf höre ich die Wellen durch das offene Fenster rauschen und sonne mich in spätabendlichen Junistrahlen, bevor ich mir verspreche, bald wieder hier zu sein - in meinen Gedanken.

Meeresgrüße!